Die Umrisse zu Donald Trumps Steuerreformplänen beginnen sich ein wenig konturierter abzuzeichnen. Analysten rechnen damit, dass Konzerne wie Apple, Oracle & Co. schon bald weitaus weniger Anleihen an den amerikanischen Bondmärkten emittieren werden.

So sollen die Steuerzahlungen für repatriierte Gewinne aus dem Ausland temporär von 35% auf 10% gesenkt werden, wie Trump zitiert wurde. Insbesondere Bargeld bunkernde Firmen würden auf Anreize blicken, einen guten Teil ihrer im überseeischen Ausland gebunkerten Bargeldreserven zurück in die Vereinigten Staaten zu transferieren.

Apple: Über $200 Milliarden im überseeischen Ausland

Gleichzeitig würde der amerikanische Bondmarkt entlastet, weil die betroffenen Konzerne für potenzielle Aktienrückkäufe keine neuen Anleihen mehr emittieren müssten, sondern diese Rückkäufe fortan aus eigenen Mitteln stemmen könnten.

Allein Apple hatte im Zeitraum der vergangenen vier Jahre mehr als $80 Milliarden in Form von Unternehmensanleihen emittiert, um mittels dieser Einnahmen Aktienrückkäufe zu finanzieren. Dabei hortet der Konzern mehr als $200 Milliarden im überseeischen Ausland.

Oracle hatte sich zuletzt $14,2 Milliarden über die Bondmärkte beschafft, um die eigenen Aktienrückkäufe weiter aufrechtzuerhalten. Würde diesen Konzernen nun die Möglichkeit verschafft, Auslandsgewinne in die USA zu repatriieren, würden deren Bondemissionen pro Jahr um schätzungsweise $150 Milliarden sinken, so Analysten der Bank of America.

Unternehmen werden flexibler

Betroffen von den temporären Steuerplänen Donald Trumps wären insbesondere Konzerne im Pharma- und Technologiesektor. Sollte es zu einer Repatriierung hoher Bargeldsummen aus dem Ausland in die Vereinigten Staaten gegen Zahlung einer Flat Tax kommen, würde das Emissionsvolumen an den amerikanischen Unternehmensbondmärkten deutlich sinken. 

Unter Analysten wird damit gerechnet, dass eine Drosselung des Emissionsvolumens an den Unternehmensanleihemärkten die Zinsdifferenzen gegenüber Treasury Bonds – ohnehin schon auf einem rekordniedrigen Niveau – noch weiter minimieren könnte. Unter anderem könnte auch der Netzwerksausrüster Cisco Systems zu den großen Gewinnern gehören.

Das Unternehmen bunkert zum jetzigen Zeitpunk knapp $60 Milliarden auf Konten im überseeischen Ausland. Im laufenden Jahr emittierte der Konzern trotz allem $13 Milliarden in Form von Unternehmensanleihen, die größtenteils in Aktienrückkäufe geflossen sind.

Laut des Cisco-Managements habe das Unternehmen eine Reihe von Szenarien ausgearbeitet, die sich allesamt um das weitere Vorgehen drehten, falls eine Repatriierung von Geldern in die USA tatsächlich auf die Tagesordnung rücken würde. Mit einem solchen Schritt sei, so das Management, eine weitaus größere Flexibilität verbunden, die Cisco in der Zukunft zuteil werden würde.